Tobias Rüger, ein prominenter Saxofonist aus Frankfurt, nutzt seine musikalischen Talente nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch zur Reflexion über das menschliche Leben und dessen Herausforderungen. In seiner Altbauwohnung im Bahnhofsviertel mit Stuckdecken und alten Schallplatten erweckt er die Erinnerungen an legendäre Jazzmusiker, die ihn von Kindheit an prägten. Sein Vater nahm ihn bereits im jungen Alter mit zu Konzerten von Ikonen wie Benny Goodman und Ella Fitzgerald. Diese frühen Erlebnisse bildeten den Grundstein für Rügers Leidenschaft zur Musik.
Mit fast 100 Live-Auftritten pro Jahr in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat sich Rüger einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Er kombiniert als studierter Musikwissenschaftler die Präsentation von Musik mit einem Einblick in deren Geschichte, von der Bossa Nova bis hin zu den komplexen Kompositionen eines John Cage. Seine Methode, die Zirkularatmung zu nutzen, erlaubt es ihm, einen kontinuierlichen Luftstrom zu erzeugen, der neue klangliche Dimensionen eröffnet.
Die Evolution des Künstlers
Rüger glaubt an die Kraft der Transformation in der Musik. Das Saxofon hat sich für ihn zu einem extrem expressiven Instrument entwickelt, das es ihm ermöglicht, verschiedene musikalische Farben auszudrücken. Diese kreative Freiheit, die das Saxofon ihm bietet, beschreibt er als das „offene Feld“, auf dem er musikalisch agieren kann. Tägliches Üben sei unerlässlich, um diese Fähigkeiten zu verfeinern.
In den späten 90er Jahren widmete er sich einem ambitionierten Projekt: Er nahm sämtliche Saxofonwerke des amerikanischen Komponisten John Cage auf – eine vierjährige Aufgabe, die nicht nur technischen Können erforderte, sondern auch eine tiefere künstlerische Vision, die sich nach einem meditativen Ansatz sehnte. Der Umzug von Berlin nach Frankfurt war eine weitere bedeutende Entscheidung in Rügers Leben, eine Wahl, die seine musikalische Karriere maßgeblich beeinflusste.
Die Entscheidung zur Übersiedlung war nicht nur geographisch, sondern auch ökonomisch motiviert. Während in Berlin viele Musiker von öffentlicher Förderung abhängen, fand Rüger in Frankfurt Möglichkeiten, sich durch private Sponsoren finanzielle Sicherheit zu schaffen. Dies gab ihm die Freiheit, sich weiterzuentwickeln und einen eigenen Musikstil zu kreieren, losgelöst von den Einflüssen früherer Vorbilder.
Einen der ersten Aufträge in seiner neuen Heimat erhielt Rüger von Ardi Goldman, der ihn für den Club „King Kamehameha“ engagierte. Diese Gelegenheit half ihm, ein Netzwerk aufzubauen und eigene Kompositionen zu veröffentlichen. Über die Jahre hat sich sein musikalisches Repertoire erweitert, und er ist jetzt Teil des Ensembles der Kammeroper Frankfurt, wo er bei verschiedenen Darbietungen und Projekten auftritt.
Dennoch ist Rüger ein Realist, der die Herausforderungen für die kommende Generation von Musikern sieht. Die Möglichkeiten für freiberufliche Künstler schrumpfen, und er drückt seine Sorgen für die junge Generation aus, die von den gegenwärtigen Bedingungen betroffen ist. Insgesamt hat er jedoch Glück, seinen Lebensunterhalt als Musiker bestreiten zu können.
Kulturelle Reflexion und Verantwortung
Rüger geht auch aktiv mit gesellschaftlichen Themen um, insbesondere mit der Erinnerung an den Holocaust. Für den Dokumentarfilm „Auf gepackten Koffern“, der die Neuanfänge der jüdischen Gemeinde nach dem Krieg thematisiert, schrieb er die Musik und erntete damit internationale Anerkennung. Seine Verantwortung als Künstler sieht er darin, kulturelle Bezüge herzustellen und diese Themen durch seine Musik am Leben zu halten.
Der Einfluss der Digitalisierung hat auch auf Rügers Karriere gewaltige Spuren hinterlassen. CDs, einst ein Zeichen für Erfolg, verlieren zunehmend an Bedeutung. Heute sind Live-Auftritte entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg. In dieser neuen Realität hat Rüger die Anzahl seiner Konzerte erhöht und passt sich den Veränderungen an, um weiterhin künstlerisch tätig sein zu können.
Die sentimentalen Momente, die ihn in seiner Kunst inspirieren, kombiniert er mit pragmatischem Handeln. Oft sieht er sich mit der harten Realität konfrontiert, dass der Raum für kreative Ausdrucksformen schwindet und erkämpft sich dennoch seinen Platz in dieser Musiklandschaft. Rüger bleibt optimistisch, auch wenn äußere Umstände oft herausfordernd sind.
Mit dem Gebaren eines ehrenwerten Virtuosen behält er den Fokus auf seine Mission, die Musik an Menschen heranzutragen. „Ein Musiker muss am Menschen dran sein“, sagt Rüger. Dies ist nicht nur ein Prinzip, sondern auch ein persönlicher Auftrag für ihn, um die Verbindung zwischen Musik und menschlichem Erleben aufrechtzuerhalten.
Obwohl die Welt von Krisen und Unsicherheiten geprägt ist, schafft es Rüger, in seiner künstlerischen Welt einen Raum zur Reflexion und zum Ausdruck seiner Gedanken zu kreieren. Er ermutigt andere, über den künstlerischen Tellerrand hinauszublicken und den Wert der Musik in ihrer vielseitigen Form zu erkennen. Rügers Darbietungen sind mehr als nur Musik; sie sind eine Reise durch die Klangwelten, die direkt ins Herz der Menschen zielt.
Seine Überzeugung spiegelt sich auch in den Worten Johann Sebastian Bachs wider, ein Musiker, der stets in Kontakt mit seinem Publikum blieb. Mit diesem Leitbild im Hinterkopf erweckt Rüger in Frankfurt und darüber hinaus die Magie der Musik zum Leben, und das Publikum ist eingeladen, Teil dieser Erfahrung zu sein. Mehr Details zu Tobias Rüger finden Sie hier.