Ab April 2025 stehen Verbraucher in Deutschland vor einer grundlegenden Veränderung im Bereich der Energiekosten. Im Rahmen des Innovationsprojekts „Grids & Benefits“ werden dynamische Netzentgelte im Verteilnetz getestet. Dies könnte insbesondere E-Fahrzeugbesitzern Vorteile bringen, indem sie markt- und netzdienliches Laden fördern und sie somit von geringeren Kosten profitieren können. Laut Ökonews informierten Netzbetreiber Aggregatoren am Vortag über netzgebietsspezifische Netzentgelte. Diese Aggregatoren leiten Preissignale über Apps an ihre Kunden weiter, was im Testzeitraum zu durchschnittlich 2 % niedrigeren Netzentgelten führte, maximal sogar 9 % pro kWh.

Die neuen tariflichen Strukturen zielen darauf ab, „netzdienliches Verhalten“ von Verbrauchern zu belohnen. Die wachsende Nutzung erneuerbarer Energien, insbesondere Solarenergie und Windkraft, führt zu günstigem, aber unvorhersehbarem Strom. Es wird notwendig, dass die Stromerzeugung mit dem Verbrauch übereinstimmt, um Überlastungen oder Stromausfälle zu vermeiden. 1Komma5 hebt hervor, dass Verbraucher dazu angeregt werden sollen, günstigen Strom zu nutzen, wenn er in der Regen verfügbar ist, etwa mittags bei hoher Solarstromproduktion oder nachts.

Dynamische Tarife und ihre Herausforderungen

Die Einführung der dynamischen Netzentgelte ab 2025 wird einige Voraussetzungen mit sich bringen. Verbraucher müssen im Besitz einer „steuerbaren Verbrauchseinheit“, wie Wärmepumpen oder PV-Speichern, sowie eines Smart Meters sein. Bestehende dynamische Stromtarife haben bereits gezeigt, dass sie günstigere Preise zu bestimmten Zeiten anbieten. Diese Tarife basieren auf Börsenstrompreisen, was bedeutet, dass die Preise je nach Anbieter stündlich oder viertelstündlich variieren können. Bei hoher Nachfrage, beispielsweise abends, sind die Preise erhöht; bei hohem Angebot, wie an sonnenreichen Tagen, sind die Preise entsprechend niedriger.

Laut inexogy sind Stromanbieter ab 2025 verpflichtend, mindestens einen dynamischen Tarif anzubieten. Technische Grundlagen hierfür sind intelligente Messsysteme (iMSys), die den Stromverbrauch in 15-Minuten-Intervallen erfassen. Aktuelle Vergleiche zeigen, dass dynamische Tarife im Durchschnitt günstiger sind als herkömmliche Fixpreise. Die Strompreise für Bestandskunden zwischen April und Dezember 2025 lagen zwischen 36,4 und 38 ct/kWh für Fixpreise, während dynamische Tarife zwischen 32,9 und 38 ct/kWh lagen.

Chancen und Risiken für Verbraucher

Die Einführung dynamischer Tarife könnte für viele Haushalte von großem Vorteil sein, insbesondere für solche mit flexiblen Verbrauchern wie Wärmepumpen und Elektroautos. Automatisierungen und smarte Steuerungen erhöhen die Flexibilität und ermöglichen signifikante Kostensenkungen. Haushalte mit geringem Stromverbrauch oder ohne steuerbare Geräte hingegen könnten weniger von diesen neuen Tarifen profitieren.

Die transparente Plattform SMARD der Bundesnetzagentur bietet historische Preisentwicklungen und Modellrechnungen an, die es Verbrauchern erleichtern, ihre Entscheidungen zu treffen. Prognosen zeigen, dass mit dem Ausbau erneuerbarer Energien die Zahl der Stunden mit niedrigen oder negativen Strompreisen zunehmen wird. Bereits 2024 wurden 17,5 Gigawatt zusätzliche Photovoltaik-Leistung installiert, was die Möglichkeit für Einsparungen von mehreren hundert Euro pro Jahr erhöht.

Zusammengefasst ist die Einführung dynamischer Netzentgelte eine Schlüsselmaßnahme zur Förderung energiesparenden Verhaltens und zur Optimierung der Stromnutzung in einem zunehmend von Erneuerbaren Energien dominierten Markt. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie erfolgreich diese Änderungen in der Praxis umgesetzt werden.