In einer besorgniserregenden Warnung hat Jürgen Stock, der scheidende Generalsekretär von Interpol, die wachsende Bedrohung durch weltweit operierende Drogenbanden thematisiert. Bei einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur in New York äußerte er: "Die Welt läuft Gefahr, den Kampf gegen die transnationale organisierte Kriminalität zu verlieren." Seinen Aussagen zufolge haben diese Gangs das Potenzial, auch Industrieländer wie Deutschland zu destabilisieren.
Stock, der seine Position im November aufgeben wird, beschreibt die Transformation der traditionellen Mafia-Strukturen in globale kriminelle Organisationen. Er berichtete, dass sich ehemals lokal agierende Gruppen inzwischen im internationalen Drogenhandel engagieren und über "astronomische Mengen an Ressourcen" verfügen. Diese Ressourcen nutzen sie nicht nur für den Menschen- und Waffenhandel, sondern auch für den zunehmend problematischen Drogenhandel in Zentraleuropa.
Rolle des Drogenhandels in Deutschland
Der Drogenhandel, speziell der Kokainhandel, entwickelt sich zur großen Herausforderung für Deutschland und Europa. Laut Stock bleibt der Hauptverdienst dieser Banden von Drogen, die auf den Märkten erhältlich sind. Dies wird besonders deutlich durch die kontinuierliche Verfügbarkeit von Drogen, auch angesichts der rekordhohen Beschlagnahmen von Drogen in den europäischen Häfen wie Antwerpen, Rotterdam und Hamburg. Schätzungen zufolge wird nur ein Bruchteil der im Land eingeführten Drogen tatsächlich entdeckt, was auf gut organisierte Lieferketten hinweist.
Eine besorgniserregende Neuerung im Drogenhandel ist das synthetische Opioid Fentanyl, das zunehmend auch in europäische Märkte eindringt. Während Fentanyl in den USA bereits eine massive Krise ausgelöst hat, warnt Stock davor, dass diese Droge auch in Europa zu einem ernsthaften Problem werden könnte. Aufgrund seiner extrem hohen Potenz und der Tatsache, dass schon zwei Milligramm als tödliche Dosis gelten, ist die Gefährdung durch Fentanyl nicht zu unterschätzen.
Die Wege des Kokains
Das meiste Kokain wird nach wie vor von südamerikanischen Kartellen in Ländern wie Kolumbien, Peru und Bolivien produziert. Stock erklärt, dass die Drogen über verschiedene Routen in die europäischen Märkte gelangen. Ein häufig genutzter Transportweg führt über den Hafen von Guayaquil in Ecuador, von wo aus die Drogen über den Pazifik verschifft werden. Dort veranschaulicht Stock die Flexibilität und Komplexität des Marktes.
Ein zentrales Problem bei den Drogenlieferungen sind Korruption und lokale Machtstrukturen in den Hafenbehörden, die es den Banden ermöglichen, ihre Geschäfte ungestört zu betreiben. Stock hebt hervor, dass die Behörden vor enormen Herausforderungen stehen, da die Korruption vielerorts tief verwurzelt ist.
Die Auswirkungen des Drogenhandels sind nicht nur am Ursprungsort sichtbar, sondern auch in den europäischen Städten, wo lokale Banden, die den „Straßenverkauf“ organisieren, für einen Anstieg an gewalttätigen Auseinandersetzungen sorgen. Diese Konflikte um Territorien haben bereits in anderen europäischen Ländern zu erheblichen sozialen Spannungen geführt.
Stock errechnet, dass die gewalttätigen Auseinandersetzungen inzwischen auch in Teilen Deutschlands bemerkbar sind. Die Interpol-Warnung hebt hervor, dass die Fortschritte im Kampf gegen diese Kriminalität auch ein stärkeren Fokus auf die nationalen Strafverfolgungsbehörden erfordert. Um den Drogenbanden handfest entgegenzutreten, sollten die jeweils größten Gruppen verstärkt ins Visier genommen werden.
Die Notwendigkeit zur internationalen Zusammenarbeit in der Bekämpfung von Drogenkriminalität wird deutlicher denn je. Angesichts der bevorstehenden Herausforderungen ist es entscheidend, dass die Länder sich zusammenschließen, um den Drogenbanden Einhalt zu gebieten. Weitere Hintergrundinformationen zu diesen Themen finden sich in einem umfassenden Bericht auf www.kreiszeitung.de.
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