Im steirischen Ortsteil Hönigtal kam es zu einem dramatischen Polizeieinsatz, der tragisch endete. Ein 46-Jähriger, der sich mit einer Langwaffe in seinem Einfamilienhaus verbarrikadiert hatte, starb nach stundenlangen Verhandlungen und einem Einsatz des Einsatzkommandos Cobra an den Folgen einer Schussverletzung. Die Polizei war zunächst aufgrund besorgniserregender Meldungen seiner Angehörigen alarmiert worden, die berichtet hatten, dass der Mann ihnen bedrohliche Bilder mit Schusswaffen gesendet hatte. Es wurde von einem psychischen Ausnahmezustand des Mannes ausgegangen, der es den Einsatzkräften erschwerte, Kontakt aufzunehmen.
Die interventionistischen Kräfte, unterstützt von der Schnellen Interventionsgruppe (SIG), suchten über einen langen Zeitraum den Dialog mit dem verbarrikadierten Mann. Trotz mehrerer Versuche blieb der Kontakt erfolglos. Im Rahmen eines geplanten Zugriffs durch die Spezialkräfte eröffnete der Mann schließlich das Feuer auf die Beamten, die daraufhin zurückschossen. Die genauen Umstände des Geschehens sind noch Gegenstand der Ermittlungen.
Folgen für die Einsatzkräfte
Rettungskräfte sowie ein Notarzt versorgten den 46-Jährigen am Einsatzort, doch er verstarb letztlich trotz ihrer Bemühungen. Glücklicherweise blieben die Beamten unverletzt. Kriminalisten, Tatortbeamte und Staatsanwaltschaft waren unmittelbar nach dem Vorfall am Tatort tätig, um die genauen Hintergründe zu klären. Zudem wurden Sachverständige bestellt, und die Ermittlungsstelle für polizeilichen Waffengebrauch hat ihre Untersuchungen aufgenommen. Diese Tragödie wirft einmal mehr Fragen zur Vorbereitung der Polizei im Umgang mit psychisch erkrankten Personen auf.
Bereits seit 2019 wurden in Deutschland 37 Menschen in ähnlichen psychischen Krisensituationen von der Polizei erschossen. Dieser besorgniserregende Trend führt zu Forderungen nach einer besseren Ausbildung der Einsatzkräfte. Experten heben hervor, dass es an fehlendem Geld und Personal mangelt, um entsprechende Trainingsmaßnahmen umzusetzen. Der Fall des 22-jährigen Oisín, der 2019 in Hamburg von der Polizei erschossen wurde, ist ein Beispiel für die fatalen Konsequenzen unzureichender Schulungen im Umgang mit psychischen Krisen. Die Eltern des Opfers haben Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht, um eine unabhängige Aufarbeitung bei solchen Einsätzen zu erreichen, was verdeutlicht, wie dringend Reformen erforderlich sind.
Neue Trainingskonzepte im Polizeieinsatz
Um den Umgang mit Menschen in psychischen Ausnahmesituationen zu verbessern, haben manche Bundesländer bereits neue Trainingskonzepte eingeführt. In Nordrhein-Westfalen (NRW) beispielsweise sollen Polizisten verstärkt auf Kommunikation setzen, um Deeskalationen in kritischen Momenten zu erreichen. Nach einem tödlichen Einsatz im August 2022 wurden neue Richtlinien entwickelt, die es den Beamten ermöglichen, zusätzliche Hilfe wie spezialisierte Einsatzkräfte oder psychologisch geschultes Personal hinzuzuziehen.
Das neue Konzept, das seit 2023 regelmäßig trainiert wird, legt Wert darauf, dass die Beamten sich Zeit nehmen, um emotionalen Kontakt herzustellen, bevor sie schnell reagieren. Ein positives Beispiel aus NRW zeigte sich in einem Fall, in dem ein Mann, der mit einem Messer drohte, durch ein sensibles Gespräch und den Kontakt zu den Beamten sicher in ein Krankenhaus gebracht werden konnte, ohne dass es zu Gewalt kam. Diese Ansätze sollen dazu beitragen, die Anzahl der fatalen Vorfälle in der Zukunft zu reduzieren.
Insgesamt bleibt die Situation komplex. Der tragische Vorfall in Hönigtal ist ein weiterer Weckruf für die Polizeiarbeit im Umgang mit psychischen Krisen, wobei die Notwendigkeit einer besseren Schulung und Ressourcen für die Einsatzkräfte immer deutlicher wird.