Ein breites gesellschaftliches Bündnis fordert ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen. In einem offenen Brief an die Bundesregierung wird im Zuge des Klimaschutzprogramms auf die Notwendigkeit von Maßnahmen hingewiesen, die nicht nur zur Reduktion von CO2-Emissionen beitragen, sondern auch die Verkehrssicherheit erhöhen könnten. Unter den Forderungen sind eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h außerhalb geschlossener Ortschaften und Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts festgehalten. Diese Maßnahmen könnten jährlich bis zu 11,7 Millionen Tonnen CO2-Emissionen im Verkehrssektor einsparen, wie oekonews.at berichtet.

Die Dringlichkeit dieser Forderungen wird durch ein jüngstes Urteil des Bundesverwaltungsgerichts untermauert, das feststellt, dass das aktuelle Klimaschutzprogramm der Bundesregierung nicht den gesetzlichen Anforderungen genügt. Infolge dieses Urteils ist die Regierung verpflichtet, ein neues Klimaschutzprogramm bis Ende März 2024 vorzulegen, das konkrete Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele festlegt.

Klimaschutz durch Tempolimits

Analysen der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) zeigen, dass ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen durchaus realistische CO2-Einsparungen verspricht. Je nach Befolgung der Regelungen könnte dies zwischen 1,3 und 2 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. In einem hypothetischen Szenario, in dem viele Autos technisch auf 130 km/h begrenzt wären, wären sogar bis zu 4,2 Millionen Tonnen CO2 weniger pro Jahr möglich. 2023 betrugen die CO2-Emissionen auf deutschen Autobahnen insgesamt 38,7 Millionen Tonnen, was die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Reduktion unterstreicht, wie bmv.de hervorhebt.

Die Verkehrssektorstudien belegen einen klaren Zusammenhang zwischen der Fahrgeschwindigkeit und den Emissionen: Der Energiebedarf und die CO2-Emissionen steigen mit zunehmender Geschwindigkeit aufgrund von Luftwiderstand. In diesem Kontext wird häufig auch auf die Rolle der zunehmenden Anzahl an Elektrofahrzeugen und steigenden Kraftstoffpreisen verwiesen. Diese Faktoren könnten das Einsparpotential eines Tempolimits verringern, dennoch bleibt die CO2-Reduktion als zentrales Ziel unbestritten.

Öffentliche Unterstützung und Sicherheitsaspekte

Vertreter verschiedener Organisationen betonen die breite Unterstützung der Bevölkerung für ein Tempolimit. Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe ist sich sicher, dass Tempolimits zur Schließung der Klimaschutzlücke im Verkehrssektor beitragen können. Annika Fuchs von ROBIN WOOD thematisiert den politischen Einfluss der Auto-Lobby und weist auf die Diskrepanz zwischen den Interessen der Automobilindustrie und den Wünschen der Bürger hin. Verena Graichen vom BUND belegt mit Umfragen, dass die Mehrheit der Bevölkerung für Tempolimits ist.

Zusätzlich stellt sich die Frage der Verkehrssicherheit. Peter Schlanstein von der Verkehrsunfall-Opferhilfe Deutschland hebt die potenziellen Lebensrettungen hervor, die ein Tempolimit mit sich bringen könnte. Christiane Rohleder vom VCD beschreibt ein Tempolimit als überfällig und als effektive Maßnahme zur CO2-Reduktion und Unfallverhütung.

Im weiteren Kontext des Klimaschutzes im Verkehr gibt es verschiedene Ansätze, um die CO2-Emissionen zu senken. Die Diskussion über alternative Kraftstoffe wie E-Fuels, die für einige Sektoren sinnvoll sein können, wird bei der Betrachtung des Straßenverkehrs als weniger relevant erachtet, da Elektromotoren weitaus effizienter sind. Der Übergang zu emissionsfreien Alternativen wird als unabdingbar für die Zukunft des Verkehrs angesehen, wobei der Fokus auf der Nutzung von erneuerbarem Strom und der Förderung von Elektromobilität liegen muss, wie das Umweltbundesamt anführt.

Insgesamt wird deutlich, dass ein neues Klimaschutzprogramm, das auch Tempolimits beinhaltet, unerlässlich für die Erreichung der Klimaziele ist und gleichzeitig zur Sicherheit auf den Straßen beiträgt. Die Diskussion darüber bleibt nicht nur ein technisches, sondern vor allem auch ein gesellschaftliches Thema, das alle Verkehrsteilnehmer und Entscheidungsträger betrifft.