Die aktuellen Entwicklungen in Kiew und der umliegenden Region sind von signifikanter Besorgnis geprägt. Der Bürgermeister der Stadt, Vitali Klitschko, hat die Bürger ermutigt, Kiew vorübergehend zu verlassen, falls sie an anderen Orten Zugang zu Energie und Wärme finden können. Dies sei jedoch kein offizieller Evakuierungsaufruf, sondern lediglich ein Ratschlag an diejenigen, die zu Datschen oder Verwandten in weniger betroffenen Gebieten reisen können. In Kiew und Umgebung sind rund 500.000 Verbrauchsstellen ohne Strom, was die Lebensumstände der Bevölkerung stark beeinträchtigt, berichtet die Kleine Zeitung.
Die Versorgungslage in Kiew ist angespannt. Klitschko beschreibt die Situation als schwierig, jedoch unter Kontrolle. In der vergangenen Nacht hat die russische Armee Kiew mit über 200 Drohnen sowie zahlreichen Raketen und Marschflugkörpern angegriffen, was zu mindestens vier Todesopfern führte und Schäden an 20 Wohnblocks verursachte. Stadtverwaltungen arbeiten im Notfallmodus. Die Bürger, die über Strom, Wasser und Heizung verfügen, werden aufgefordert, Nachbarn zu sich einzuladen, um die kalten Temperaturen zu überstehen.
Reparaturen bei Saporischschja
Während sich die Lage in Kiew zuspitzt, gibt es auch berichtenswerte Fortschritte in der Region rund um das Atomkraftwerk Saporischschja. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat die Reparatur einer zweiten Stromleitung, die für die Kühlung der Reaktoren notwendig ist, bestätigt. Diese 330-Kilowatt-Leitung wurde unter Vermittlung der IAEA wieder in Betrieb genommen und stellt einen wichtigen Schritt für die nukleare Sicherheit dar, wie Tagesspiegel berichtet. Das Atomkraftwerk ist seit März 2022 von russischen Truppen besetzt, und die Reaktoren sind aus Sicherheitsgründen heruntergefahren, müssen jedoch weiterhin gekühlt werden.
Die erfolgreiche Reparatur wurde von IAEA-Chef Rafael Grossi als bedeutend hervorgehoben. Vor einem Monat war bereits die 750-Kilowatt-Leitung repariert worden, die ebenfalls zur Stabilität des Energiesystems beiträgt. Im Oktober endete mit der ersten Reparatur der zehnte Blackout seit Beginn der Besetzung des Kraftwerks. Die angespannte Sicherheitslage in der Umgebung des Werks bleibt allerdings eine Herausforderung, da IAEA-Beobachter von zunehmenden Kämpfen berichten.
Langzeitfolgen des Konflikts
Der Krieg, der vor 1000 Tagen mit dem großangelegten russischen Angriff auf die Ukraine begann, hat zu einer massiven humanitären Krise geführt. Über 10 Millionen Menschen wurden durch den Konflikt vertrieben, was ihn zu einer der größten Vertreibungskrisen weltweit macht. Laut dem DW sind aktuell etwa 6,7 Millionen ukrainische Flüchtlinge in anderen europäischen Ländern, während 4 Millionen Menschen innerhalb der Ukraine auf der Flucht sind.
Die humanitäre Lage hat sich seit Kriegsbeginn dramatisch verschlechtert. 65 Prozent der Versorgungskapazität mit Strom und Wärme waren im Jänner 2024 lahmgelegt. Neben den physischen Zerstörungen leidet auch das Bildungssystem stark unter den Auswirkungen des Krieges. Laut UNHCR sind 40 Prozent der ukrainischen Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die wirtschaftlichen Schäden werden auf über 150 Milliarden Euro geschätzt, mit Wiederaufbaukosten, die voraussichtlich das Dreifache dieser Summe betragen werden.