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Im Panamakanal, einer beeindruckenden Wasserstraße, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet, kommt es zu drastischen Veränderungen in den Fischpopulationen. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und der Freien Universität Berlin haben entdeckt, dass der Anteil mariner Fische im Gatúnsee von 26 Prozent vor der Kanalerweiterung 2016 auf alarmierende 76 Prozent angestiegen ist. Während die Süßwasserfischarten, die einst die Region dominierten, zurückgehen, steigen invasive Arten stark an, was gemäß den Warnungen der Forscher signifikante Auswirkungen auf das lokale Ökosystem hat, wie Kleine Zeitung berichtete.
Der Grund für diese Umwälzungen liegt in den baulichen Veränderungen während der Kanalerweiterung. Neue, größere Schleusen ermöglichen nicht nur den durchreisenden Schiffen, sondern auch marinen Fischen eine ungehinderte Durchfahrt. Dies hat zur Folge, dass viele Fische den Kanal überqueren und in neue Lebensräume eindringen können, wodurch das Nahrungsnetz im Gatúnsee erheblich verändert wird, wie der Mitautor der Studie, Jonathan Jeschke, erklärt. Zudem befürchten die Forscher, dass einige Arten den Kanal erfolgreich passieren und sich in den jeweiligen Ozeanen ansiedeln könnten, was zu noch weiteren ökologischen Veränderungen führt, wie auch El País anmerkt.
Ökosystem unter Druck
Mit einem Anstieg der marinen Fischarten ist der Gatúnsee, der einst von Süßwasserfischen dominiert wurde, nun ein Ort, an dem Aggressoren in Form von Raubfischen, wie dem Tarpon, überwiegen. Diese Fische, die oft zwei Meter lang werden können, verändern das bestehende Nahrungsnetz erheblich. Vor der Kanalerweiterung machte der Biomasseanteil von Süßwasserfischen 57 Prozent aus, jetzt sind es lediglich 24 Prozent. Die Forscher warnen, dass die langfristigen Auswirkungen dieser invasiven Populationen schwer vorherzusagen sind, da sich das ökologische Gleichgewicht verschiebt, was auch die lokale Fischerei betrifft.
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