Die Umbenennung der ehemaligen Mohrenstraße in Berlin hat für Aufsehen gesorgt und ist inzwischen auch von historischer Relevanz. Historiker Michael Zeuske hat Archivfunde ausgewertet, die die historische Zugehörigkeit von Anton Wilhelm Amo, dem Namensgeber der Straße, beleuchten. Laut exxpress.at wird der Begriff „Mohr“ als rassistisch angesehen. Amo, ein schwarzer Philosoph des 18. Jahrhunderts, wurde zuvor fälschlicherweise als Opfer von Versklavung betrachtet, doch Zeuske argumentiert, dass diese Sichtweise nicht haltbar ist.
Aktuelle biografische Erkenntnisse zeigen, dass Amo nie Sklave war. Er stammte vielmehr aus einer Elitegemeinschaft in Ghana, die in den Sklavenhandel involviert war. Historiker Zeuske stellt fest: „Erster schwarzer Philosoph im deutschsprachigen Raum ist richtig, Opfer und Sklave falsch.“ Dies wird auch durch Dokumente der „Zweiten Westindischen Compagnie“ untermauert, die belegen, dass Amo einen privilegierten Status hatte und um eine kostenlose Überfahrt nach Westafrika bitten konnte, nachdem sein Dienstherr, der Herzog von Braunschweig, verstorben war (welt.de.
Historische Einordnung der Sklaverei
Die Komplexität des Sklavenhandels in der Geschichte zeigt sich nicht nur an Amos Biografie, sondern auch im umfassenden Kontext des kolonialen Sklavenhandels. Die Sklaverei, die im 16. bis 20. Jahrhundert eng mit europäischen Expansionen verbunden war, führte zu einer weitreichenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umstrukturierung, nicht nur in Europa, sondern auch in Afrika und den Amerikas. Sklaven wurden unter extremen Bedingungen von europäischen Händlern in die Kolonien transportiert. Die Sterblichkeitsrate während der Überfahrt lag bei etwa 15% (bpb.de.
Die Situation von Amo und anderen, die aus afrikanischen Gemeinschaften stammten, zeigt, dass Sklaverei nicht nur ein europäisches Phänomen war. Afrikaner hielten ebenfalls Sklaven. Die Gemeinschaft, aus der Amo stammte, war in den Sklavenhandel verwickelt. Die Caboceers, die Anführer dieser Gemeinschaft, waren oft lokale Machthaber und Sklavenhalter. Dies wirft Fragen über die komplexen sozialen Strukturen auf, in denen der Sklavenhandel stattfand und welche Rolle die unterschiedlichen Akteure dabei spielten.
Folgen für die Gesellschaft
Die Umbenennung der Mohrenstraße, die im August stattfand, wurde von Initiativen und dem Bezirk vorangetrieben, die den Begriff als rassistisch erachteten. Das Straßengesetz in Berlin verbietet die Benennung nach Personen, die mit Kolonialismus, Sklaverei und rassistisch-imperialistischen Ideologien in Verbindung stehen. Der Fall Amo zeigt, dass es notwendig ist, historische Narrative kritisch zu hinterfragen und die Gefüge der Vergangenheit aufzuarbeiten. Die Nachwirkungen von Sklaverei und Kolonialismus sind auch heute noch in vielen Gesellschaften spürbar und manifestieren sich in sozialer Benachteiligung und Rassismus.
In Zukunft bleibt abzuwarten, wie Berlin mit weiteren historischen Straßennamen umgehen wird und ob diese Diskussionen zu einer breiteren Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und deren Relevanz für die Gegenwart führen werden.