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Balkonkraftwerke boomen: Über 40.000 Anlagen in BW bis September!

In Baden-Württemberg erlebt der Aufstieg der Balkonkraftwerke einen beeindruckenden Boom. Noch nie zuvor wurden in einem einzigen Jahr so viele dieser kleinen, solarbetriebenen Anlagen installiert. Seit April dieses Jahres haben bereits mehr als 40.000 Haushalte einen Schritt in Richtung nachhaltiger Energiegewinnung gemacht und ihre eigenen Balkonkraftwerke in Betrieb genommen. Dies ist eine bemerkenswerte Steigerung im Vergleich zu den rund 22.500 Anlagen, die im gleichen Zeitraum des Vorjahres installiert wurden.

Was genau sind Balkonkraftwerke? Diese als Steckersolargeräte bekannten Systeme bestehen aus Solarmodulen, die Sonnenlicht in elektrischen Strom umwandeln, und einem Wechselrichter, der dafür sorgt, dass der erzeugte Strom ins hauseigene Stromnetz fließen kann. Bei der Installation handelt es sich im Vergleich zu größeren Solaranlagen um einen unkomplizierten Prozess. Ein weiterer Vorteil ist die begrenzte Leistung, die es ermöglicht, die Geräte einfacher anzuschließen und zu registrieren.

Technische und bürokratische Verbesserungen

Die jüngsten technischen Än der bürokratischen Vereinfachungen haben zu diesem Anstieg beigetragen. Vor April war es notwendig, ein Balkonkraftwerk beim Netzbetreiber anzumelden, was viele potenzielle Nutzer abschreckte. Jetzt genügt es, nur einige wenige Daten bei der Bundesnetzagentur anzugeben. Diese Änderungen kamen mit einem neuen Gesetz im Mai, das es Benutzern erlaubt, ihre alten Stromzähler vorläufig zu behalten und leistungsfähigere Anlagen zu installieren. Zukünftig sollen die Geräte sogar über die regulären Steckdosen Strom ins Netz einspeisen können.

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Andreas Schlumberger, Geschäftsführer des Solar Clusters Baden-Württemberg, hebt hervor, wie wichtig diese Erleichterungen für Verbraucher waren: Viele Menschen, die zuvor skeptisch gegenüber der Installation waren, entscheiden sich nun, ein solches Gerät zu installieren. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren auch die Werbung für diese Technik zugenommen hat und die Medien auf die Vorteile der Balkonkraftwerke aufmerksam machen.

Unterschiede zwischen Regionen

Trotz des Booms ist interessant zu beobachten, dass Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern weniger Balkonkraftwerke pro tausend Einwohner aufweist. Laut dem Deutschen Wetterdienst zählt die Region zu den sonnigsten in Deutschland. Die häufigsten Installationen sind in Städten wie Heidelberg anzutreffen, wo es rund 11 Balkonkraftwerke pro tausend Einwohner gibt. Dem gegenüber stehen Städte wie Pforzheim, wo es nur etwa drei Anlagen dieser Art gibt. Diese Unterschiede könnten durch regionale Förderprogramme beeinflusst werden, die erst langsam etabliert werden.

Die Förderungen sind unterschiedlich. In einigen Städten, wie Heidelberg und im Rhein-Neckar-Kreis, gibt es attraktive Anreize. Allerdings wird auch in städtischen Gebieten wie Stuttgart eine Entscheidung zur Förderung getroffen, obwohl hier die Zahlen der installierten Geräte relativ niedrig sind.

Das Thema Mietwohnungen gestaltet sich bislang etwas komplexer. Dagmar Schneider von der Energieagentur Rheinland-Pfalz erklärt, dass in städtischen Gebieten, wo viele Menschen zur Miete wohnen, die Installation eines Balkonkraftwerks seltener erfolgt. Allerdings gibt es hier neue Entwicklungen: Eine kürzliche Anpassung im Mietrecht könnte dazu führen, dass Vermieter die Installation dieser Geräte nur aus triftigen Gründen ablehnen dürfen.

Ein weiteres wichtiges Stück des Puzzles ist die Überlegung, wie nachhaltig diese kleinen Kraftwerke tatsächlich sind. Im Vergleich zu größeren Solaranlagen tragen sie nur einen geringen Anteil an der Gesamtleistung in Baden-Württemberg bei. Trotzdem bieten sie den einzelnen Verbrauchern Vorteile, da sie laut einer Analyse des Photovoltaik-Netzwerks Baden-Württemberg potenziell 150 Euro an Stromkosten jährlich sparen können. Die Anschaffungskosten amortisieren sich im besten Fall innerhalb von drei bis acht Jahren.

Der Boom der Balkonkraftwerke zeigt, dass Verbraucher zunehmend bereit sind, in erneuerbare Energien zu investieren. Die technischen Verbesserungen und die gesenkte Bürokratie eröffnen vielen Menschen Zugang zu grüner Energie, während gleichzeitig das Interesse dank gezielter Werbung und mediale Aufmerksamkeit steigt. Ob dies dazu führt, dass die Ziele der Landesregierung für den Ausbau erneuerbarer Energien erreicht werden, bleibt abzuwarten. Für weitere Informationen zu den Entwicklungen und aktuellen Zahlen zu den Balkonkraftwerken in Deutschland, siehe die aktuelle Berichterstattung auf www.swr.de.


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Baden-Württemberg, Deutschland
Quelle
swr.de

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