Die Universität Hohenheim hat heute eine innovative Photovoltaikanlage auf dem Ihinger Hof in Renningen eingeweiht, die eine Fläche von 3.600 Quadratmetern Ackerland umfasst. Diese neue Versuchsanlage ist ein Teil der Bemühungen, die Grenzen zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und erneuerbarer Energieproduktion zu überwinden. Das Hauptziel besteht darin, Stromerzeugung und Ackerbau auf derselben Fläche zu kombinieren. Dabei kommen Photovoltaik-Module zum Einsatz, die bis zu zehn Meter hoch sind und eine Gesamtleistung von 218 kWp liefern. Dies ermöglicht eine jährliche Stromproduktion von rund 200.000 kWh, wie Oekonews berichtet.

Ein bemerkenswertes Merkmal der Anlage ist die Konstruktion: Der Bau wurde ohne den Einsatz von schweren Maschinen durchgeführt, um Bodenverdichtungen zu vermeiden. Dadurch können Traktoren problemlos unter den Modulen hindurchfahren, was für die tägliche landwirtschaftliche Praxis von großer Bedeutung ist. Unter den Modulen werden verschiedene Kulturarten und Sorten angebaut, während die Forschung der Universität Hohenheim die Auswirkungen von Beschattung, Lichtverhältnissen und Mikroklima auf die Pflanzen untersucht. Dieses interdisziplinäre Vorgehen zielt darauf ab, angepasste Sorten und Fruchtfolgen für die spezifischen Bedingungen der Agri-Photovoltaik zu entwickeln.

Forschung und Entwicklung

Die Universität Hohenheim ist aktiv in der deutschen Forschung zu Agri-Photovoltaik und nutzt verschiedene Institute, um ökologischen, ökonomischen und sozialen Wechselwirkungen mit der Umwelt nachzugehen. Erste Pilotprojekte zeigen dabei, dass es nur zu geringen Ertragseinbußen kommt und die Beschattung der Pflanzen in heißen Perioden auch einen Schutz bieten kann. Die realen Bedingungen werden durch die Erfassung von Echtzeitdaten zu Bodenfeuchte, Temperatur und Sonneneinstrahlung analysiert. Laut Fraunhofer ISE kann Agri-Photovoltaik dazu beitragen, Landnutzungskonflikte zwischen Nahrungsmittel- und Energieproduktion zu entschärfen

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Zudem profitieren landwirtschaftliche Betriebe von stabilen, zusätzlichen Einkommensquellen, was ihre Resilienz gegenüber Ernteausfällen erhöht. Agri-Photovoltaik kann nicht nur die Effizienz der Flächennutzung steigern, sondern auch den Wasserverbrauch in der Landwirtschaft senken. Um die breite Anwendung dieser Technologien zu fördern, wird im Rahmen der Modellregion Agri-PV Baden-Württemberg eine öffentliche Vortragsreihe starten, die wichtige rechtliche, praktische und wissenschaftliche Aspekte behandelt.

Unterstützung und Ausblick

Die Initiativen für Agri-Photovoltaik erhalten Unterstützung von Bundesministerin Bettina Stark-Watzinger und Bundesminister Cem Özdemir, die die Bedeutung dieses Ansatzes in der Energie- und Landwirtschaftswende bekräftigen. Ein umfassender Leitfaden beleuchtet Möglichkeiten, Vorteile sowie den aktuellen Technologiestand und zeigt erfolgreiche Anwendungsbeispiele auf. Zudem werden potenzielle Hürden und Herausforderungen diskutiert, die im deutschen Kontext überwunden werden müssen. Der Ansatz ist nicht nur zukunftsweisend, sondern auch wirtschaftlich, denn die Stromgestehungskosten liegen zwischen 7 und 12 Eurocent pro kWh, was Agri-Photovoltaik äußerst wettbewerbsfähig macht, wie Agriphotovoltaik zusammenfasst.