Amazon hat eine Investitionsoffensive von etwa 200 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2026 angekündigt, mit dem Schwerpunkt auf dem Ausbau seiner Cloud-Infrastruktur. Dieser Schritt wurde im Rahmen der Vorstellung der „Amazon European Sovereign Cloud“ bekannt, die in Potsdam angesiedelt ist und von deutschen Behörden unterstützt wird. Allerdings äußert Greenpeace Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen dieser Expansion auf die digitale Unabhängigkeit und die Einhaltung von Umwelt- und Klimastandards. Linda Klapdor von Greenpeace kritisiert, dass Amazons Angebot keine tatsächliche digitale Souveränität darstellt, da die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen weiterhin in US-amerikanischer Hand liegen, was ein potenzielles Risiko für sensible Daten europäischer Unternehmen darstellt.

Die Sorgen um die Datensicherheit sind laut Markus Beckedahl, einem Experten für Netzpolitik, besonders stark, da amerikanische Sicherheitsbehörden möglicherweise Zugriff auf die in Deutschland gelagerten Daten haben könnten. Er warnt, dass Exportkontrollen und Sanktionen durch die US-Regierung spezifische Risiken für europäische Unternehmen darstellen. Greenpeace fordert daher die Förderung von europäischen Cloud-Lösungen und die Einhaltung von strengen Datenschutz- und Umweltstandards, um die Abhängigkeit von US-Technologie zu verringern.

Wachsender Druck zur digitalen Souveränität

Der Druck zur digitalen Unabhängigkeit steigt angesichts einer dominierenden Marktstellung amerikanischer Tech-Giganten. Der europäische Markt wird derzeit stark von Anbietern wie Amazon AWS, Google Cloud und Microsoft Azure geprägt, wobei 90% der deutschen Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern Cloud-Dienste in Anspruch nehmen. Darüber hinaus geben 89% dieser Unternehmen an, technologische Abhängigkeit vom Ausland zu empfinden.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, haben Deutschland und Frankreich ein Gipfeltreffen zur „digitalen Souveränität“ in Berlin einberufen, bei dem über 1.000 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft erwartet werden. Ziel ist es, Schritte zur europäischen Unabhängigkeit bei Schlüsseltechnologien einzuleiten und Investitionen sowie Kooperationen in Bereichen wie Recheninfrastruktur, Quantentechnologie und Gesundheitswesen zu fördern.

Strategien für die digitale Zukunft

Ein zentraler Aspekt zur Erreichung der digitalen Souveränität ist der Aufbau einer eigenen europäischen Cloud-Infrastruktur. Dabei sollen kritische Daten innerhalb der EU gespeichert und verarbeitet werden, wobei die Verwendung von Open-Source-Tools in den Fokus rückt. Schleswig-Holstein dient dabei als Vorbild, da es Microsoft-Programme durch Open-Source-Anwendungen ersetzt. Unternehmen wie die Schwarz-Gruppe positionieren sich ebenfalls mit IT-Tochterunternehmen wie StackIT als alternative Anbieter, die datensouveräne Lösungen bieten möchten.

Die Herausforderung bleibt jedoch groß, da die Abhängigkeit von US-Angeboten nach wie vor besteht. Beckedahl betont, dass Unternehmen verstärkt Open-Source-Software und offene Standards nutzen sollten, um diese Abhängigkeit zu verringern. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass europäische Nationen gemeinsam an der Stärkung ihrer digitalen Infrastruktur arbeiten, um die Flüsse kritischer Daten innerhalb Europas zu erleichtern und die digitale Souveränität zu gewährleisten.