Eine aktuelle Umfrage der Boston Consulting Group (BCG) zeigt, dass 90% der Topmanager in Europa einen bevorstehenden Stellenabbau ohne wirksame Maßnahmen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit erwarten. Diese besorgniserregende Einschätzung stellt einen Anstieg der Skepsis im Vergleich zur Umfrage des Frühjahr 2025 dar. Die Ergebnisse stammen aus dem „European Competitiveness Barometer“, bei dem 850 Führungskräfte aus 30 Ländern sowie 6.400 Bürger befragt wurden. Unter den Befragten äußern 90% die Erwartung, dass Unternehmen ihre Standorte ins Ausland verlagern werden, während 88% angeben, dass sich die Investitionsfähigkeit in der EU verringern könnte, wenn wirtschaftliche Interessen nicht besser geschützt werden.
Die Umfrage beleuchtet zudem den sinkenden Optimismus führender Wirtschaftsnationen. In Deutschland ging der Optimismus um 21 Prozentpunkte zurück und liegt nun bei 60%. In Frankreich dominiert die Skepsis, während in Italien die Zuversicht der Unternehmenslenker um 7 Prozentpunkte gestiegen ist. Diese Entwicklungen lassen den Dringlichkeitscharakter der Situation erkennen, da 64% der Unternehmensleiter und 61% der Bevölkerung eine stärkere EU-Integration und entschlossene Entscheidungen auf EU-Ebene fordern.
Dringender Handlungsbedarf
Matthias Tauber, Europachef von BCG, hebt hervor, dass es radikale Reformen der EU-Regulierung benötigt, um den Herausforderungen zu begegnen. Eine beeindruckende Mehrheit von 80% der Befragten spricht sich für grundlegende Veränderungen aus. Besonders wichtig sind dabei die Themen Energie, Verteidigung und die Integration von Kapitalmärkten. Über 90% der Entscheider erachten die Bildung einer EU-weiten CEO-Arbeitsgruppe als notwendig, wobei Herausforderungen wie Reputationsrisiken und das Fehlen formaler Mandate für viele Manager bestehen bleiben.
Diese ehrgeizigen Anstregungen finden Resonanz in den jüngsten Entwicklungen rund um den Bericht von Mario Draghi, der am 9. September 2024 veröffentlicht wurde. Der Bericht analysiert die Wettbewerbsfähigkeit der EU und propagiert strategische Ansätze zur Förderung von Wachstum und Stabilität innerhalb der Union. Draghi hebt hervor, dass die EU eine wichtige Wirtschaftsregion ist, mit 440 Millionen Konsumenten und einem Anteil von 17% am weltweiten BIP, warnt jedoch auch vor rückläufigem Wachstum bedingt durch eine schwache Produktivitätsentwicklung und ungünstige Bedingungen im Außenhandel, in der Energieversorgung und auf sicherheitspolitischer Ebene.
Strategische Ansätze zur Stärkung der EU-Wirtschaft
Draghi empfiehlt, eine europäische Strategie zur Schließung der Innovationslücke zu entwickeln, da die EU im Vergleich zu den USA und China weniger in Forschung und Entwicklung investiert. Ein zentraler Vorschlag umfasst die Notwendigkeit von jährlichen Investitionen von 750 bis 800 Milliarden Euro, um das Investitionsniveau des EU-BIP zu steigern. Seine Vorschläge beinhaltet auch eine differenzierte Industriepolitik, um die Resilienz der EU zu erhöhen und Abhängigkeiten abzubauen, insbesondere von Lieferanten wie China.
Die Diskussion um zusätzliche Gemeinschaftsschulden ähnelt dem Corona-Hilfspaket, das 750 Milliarden Euro umfasste. Diese Forderung stößt jedoch auf Widerstand seitens der deutschen Bundesregierung, während Italien und Frankreich auf ein neues Paket drängen, um den gestiegenen Anforderungen an Verteidigung und Klimaschutz gerecht zu werden. Draghi unterstreicht die existenzielle Herausforderung für die EU durch die wachsende Konkurrenz aus den USA und China, insbesondere im Technologiesektor, wo nur vier der 50 größten Unternehmen europäisch sind.
Zusammenfassend zeigt sich ein klares Bild: Die EU steht vor bedeutenden Herausforderungen, die sowohl durch externe Konkurrenz als auch durch interne strukturelle Probleme bedingt sind. Die Förderung von Innovationen, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und eine bessere Abstimmung der Klimapolitik sind zentrale Aspekte, die angegangen werden müssen, um die wirtschaftliche Zukunft Europas nachhaltig zu sichern. Dies bestätigen auch die jüngsten Studien und Berichte, die den Handlungsbedarf eindringlich betonen.
Den vollständigen Bericht von BCG finden Sie hier: Vienna.at. Weitere Informationen zu Draghis Bericht und den Herausforderungen für die EU bietet Bundeswirtschaftsministerium.de und Tagesschau.de.