Der ORF-Stiftungsrat steht vor einer entscheidenden Sitzung, deren Schwerpunkt auf der Bestätigung von Beschlüssen aus der aktuellen Periode liegt. Insbesondere betrifft dies die Neuwahl des Vorsitzenden Heinz Lederer, deren rechtliche Grundlagen durch die Abwesenheit eines Mitglieds aufgrund möglicher Unvereinbarkeit in Frage gestellt werden. Laut den Kleine Zeitung entstand die Notwendigkeit für diese Bestätigung, da zwei Mitglieder des ORF-Publikumsrats ihr Mandat zurücklegten. Beide waren in der ÖVP tätig, was laut ORF-Gesetz unzulässig ist. Diese Abstimmung wird als Vorsichtsmaßnahme betrachtet, um die Beschlussfähigkeit des Gremiums angesichts der gesetzlichen Bestimmungen zu gewährleisten.

Heinz Lederer, der Vorsitzende, behauptet, dass das Gremium trotz der vakanten Position beschlussfähig war. Dennoch äußert die FPÖ scharfe Kritik an der Situation und kündigt an, eine Neuwahl des Vorsitzenden zu beantragen. Dies unterstreicht die Spannungen innerhalb des Stiftungsrats, die durch die jüngsten Entwicklungen noch verstärkt wurden. Der Stiftungsrat wird außerdem die Gehaltsabschlüsse für die nächsten zwei Jahre besprechen, die laut Berichten unter zwei Prozent liegen sollen.

Gehaltsstruktur und Sparmaßnahmen

Ein zentrales Thema im Stiftungsrat ist auch die Gehaltsstruktur im ORF. Spitzensalaries, die über 170.000 Euro brutto pro Jahr liegen, sind vom geplanten Gehaltsplus ausgenommen. Gregor Schütze (ÖVP) hat betont, dass bei den Gehaltsabschlüssen Maß gehalten werden muss, vor allem im Hinblick auf den gegenwärtigen Spardruck, der für den ORF bis 2026 rund 100 Millionen Euro Einsparungen vorsieht. Dies steht im Kontext des vom ORF angestrebten Finanzplans, der auf eine schwarze Null abzielt.

In den letzten Jahren haben ORF-Mitarbeiter im Vergleich zu anderen Branchen moderate Gehaltsabschlüsse erhalten, was von Seiten der Betriebsräte betont wird. Verhandlungen über die Gehälter laufen derzeit weiter. Besonders bemerkenswert ist der Hinweis auf eine Einmalzahlung, die laut Medienberichten vorgesehen ist, nach den Informationen der Kleine Zeitung und Extradienst.

Öffentliche Kritik und Transparenz

Die Gehaltstransparenz beim ORF ist ein weiterer Diskussionspunkt. Der ORF hat kürzlich seinen zweiten Transparenzbericht veröffentlicht, in dem Gehälter von mehr als 170.000 Euro jährlich offengelegt werden müssen. Dies betrifft insgesamt 71 Personen. Medienminister Andreas Babler (SPÖ) hat gefordert, dass die ORF-Führung Maßnahmen bezüglich dieser Spitzengehälter ergreift, besonders im Kontext geplanter Leistungskürzungen für das Publikum. Babler kritisiert die hohen Gehälter, während Sparmaßnahmen auf der Agenda stehen, wie in ORF.at berichtet.

Die Diskussion über Gehaltsstrukturen und Einsparungen ist besonders relevant, da der ORF bis 2029 auf monatlich 15,30 Euro pro Haushalt umgestellt hat, was zu einem potenziellen Verlust von rund 220 Millionen Euro führen könnte. Die Herausforderung, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Gehalt, Einsparungen und Zuschauererwartungen zu finden, bleibt für den ORF eine vordringliche Aufgabe.